Arbeitsplatz der Zukunft

Das schöne an unserem Focus bei netmedia ist, dass wir uns immer mit den neuesten Themen und Strategien auseinandersetzen und somit natürlich auch mit den Vordenkern in vielen Bereichen arbeiten dürfen. Heute geht es um den Arbeitsplatz der Zukunft und als Teil einer Blog Parade kommen alle Interessierten zu Wort.

Arbeit ist Relativ – Wollen oder Müssen

Vor langer Zeit war ich einmal Investment Banker – zu jener Zeit noch ein anerkannter Beruf – und mein Arbeitsplatz war ganz klar definiert, von der Arbeitszeit (24 Stunden) bis zur von mir selten eingehaltenen Kleiderordnung. Zu dieser Zeit  – ich war noch keine 30 – hatte ich den Plan gefasst mit 40 in Rente zu gehen. Es war einer dieser Pläne, die man aus dem Kontext der eigenen Situation entwirft und nie glaubt, dass sie wirklich einmal Realität werden. Vielmehr war es der Traum vieler meiner Kollegen … viel Geld machen und dann nicht mehr arbeiten “müssen”. Und genau hier liegt meines Erachtens das Problem, niemand sollte arbeiten müssen: Aber wollen.

Alles schon gut

Damals wäre ich dankbar für einen Laptop gewesen, über den mich die Kunden nicht auslachen und ein Telefon, das mehr kann als… naja, sagen wir das Siemens S35 war mein ganz großer Durchbruch mit synchronisierenden Kontakten und so 🙂
Mein heutiger Arbeitsplatz ist so ziemlich genau, wie ich ihn haben möchte: Immer online, ich kann arbeiten wann und wo ich möchte und der einzige Gradmesser des Erfolges ist… der Erfolg. Keine Zeiterfassung, kein Boss, keine nervigen Kollegen, die darauf achten wann man ins Büro kommt und wann man wieder nach Hause geht.

Knowledge Worker, eher Knowledge Kapitalist

Daher versuche ich erst gar nicht aus Sicht des Knowledge Workers zu schreiben sondern nehme hier mal den Platz des Knowledge Kapitalisten ein und skizziere den Arbeitsplatz der Zukunft, bei welchem ich mein Team möglichst effizient einsetze und damit für die Firma und für die Menschen das meiste raushole. Das Wichtige für mich persönlich ist, dass ich nichts mehr selber machen muss. Keine Termine, keine Präsentationen und vor allem keine Deadlines mehr. Es geht nicht darum, nichts mehr zu  machen aber als Unternehmer sollte ich mich voll auf den kreativen, strategischen Teil konzentrieren und die Details und Umsetzungen von meinen Mitarbeitern machen lassen. Natürlich arbeite ich mit und die Deadlines gehen nicht von alleine weg, aber das müssen müssen, das will ich loswerden.

Sharing

Um das zu ermöglichen ist vor allem eines notwendig: Sharing. Sorry, aber das deutsche “Teilen“ drückt meines Erachtens nicht aus, worum es mir geht. Während das Teilen den Unterton des Aufteilen hat, drückt das Sharing eine Gemeinsamkeit aus, die aus meiner Sicht unbedingt notwendig ist für den Arbeitsplatz der Zukunft. Wenn ich möchte, dass jemand meine Ideen umsetzt, muss er oder sie verstehen, worum es geht und vor allem warum mir diese Idee so viel bedeutet. Es muss zu unserer gemeinsamen Idee werden und wir bündeln dann unsere Stärken für ein gemeinsames Ziel.

Motivation und Produktivität

Was zunächst vielleicht abstrakt klingt, wird bei genauerem Hinsehen zu einer der wichtigsten Treiber des zukünftigen Arbeitens: Motivation und Produktivität. Das Sharing auf der Informationsebene ist aus meiner Sicht der ultimative Produktivitätskicker. Wenn jeder Zugang zu allen Informationen hat – und ich es geschickt moderiere – dann ist die eigene Leistungsfähigkeit der einzige limitierende Faktor und ich als Arbeitgeber brauche nur die richtigen Menschen finden, die einer bestimmten Aufgabe gewachsen sind. Und genau hier kommt die Motivation ins Spiel. Die besten Leute gibt es heute nicht mehr über das Geld, sondern weil ich das richtige Umfeld biete. Hier ist das Sharing als Teilhabe an der Idee ein sehr wichtiger Faktor.

Transparenz

Mit dem Sharing werden wir auch ein neues Verständnis für Transparenz entwickeln müssen. Zum einen wird es sehr wichtig werden, eine authentische Einheit zu sein, sei es als Firma oder als Abteilung. Es geht viel zu viel Energie verloren, ein Wunschbild aufrechtzuhalten, anstatt sich zum gewünschten Idealbild zu entwickeln. Transparenz zu den Zielen, zum aktuellen Stand und zu den Herausforderungen wird ein wichtiges Thema für den Arbeitsplatz der Zukunft werden.

Es gibt aber auch eine technische, informatorische Transparenz, mit der wir uns endlich auseinander setzen müssen. Es kann doch nicht sein, dass auf XING mehr über einen Kollegen zu erfahren ist als im eigenen Intranet. Lasst es mich sehr deutlich formulieren: Eine Personalabteilung, die nicht in der Lage ist, ein digitales Profil aller Kollegen zur Verfügung zu stellen, hat einfach versagt, da gibt es keine Entschuldigung.

Dabei ist die Sache so einfach. Wir nehmen unser öffentliches Profil bei XING, LinkedIn, Facebook oder Google+ und der Arbeitgeber verlinkt dieses mit einem internen Bereich für die Zeit der Beschäftigung. Alle Daten sind somit immer aktuell und der Arbeitgeber muss nur die firmenrelevanten Daten wie Gehalt, Urlaub, etc. einpflegen. Sollten sich die Wege einmal trennen, erhält jeder seine Kopie. Eigentlich sollten XING & Co. da selbst mal drauf kommen aber derzeit läßt sich an anderer Stelle noch mehr Geld verdienen.

Bottom Line

Zusammengefasst ist für mich der Arbeitsplatz der Zukunft ein Umfeld, in dem Menschen arbeiten wollen. Neben vielen bekannten Faktoren sehe ich drei wichtige Elemente, die erfüllt sein müssen: Sharing, Motivation, Transparenz. Sicher wird das ganze technische Unterstützung bekommen, wobei ich davon ausgehe, dass die Zeiten, in denen Techies einen Vorteil haben – zum Beispiel wie heute beim Social Networking – schon bald vor sind. Vielmehr wird die Infrastruktur mehr in den Hintergrund treten und die Denkleistung und in noch viel höherem Maße die Motivationsleistung entscheidend sein. Ich freue mich drauf und wenn Du Lust hast mitzumachen, melde Dich einfach.

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