Sind Elektronen Nachhaltig?

Mein Tesla Model S führt im Betrieb zu mehr als 95% weniger CO2 Ausstoß als ein vergleichbarer Wagen. Dies wird in den Diskussionen immer wieder angezweifelt, weil “ja gar nicht klar ist welcher Strom in Deinen Tesla kommt”. Also habe ich mir mal die Mühe gemacht der Sache auf den Grund zu gehen und persönlich ausgerechnet wieviel CO2 denn nun tatsächlich ausgestoßen wird. Die Bilanz sieht ganz anständig aus:

  • 95,66% besser bei nachhaltigem Strom
  • 56,04% besser bei Strommix 2014 in Deutschland

Beim Vergleich von Elektroauto zum Wagen mit Verbrennungsmotor gibt es allerdings so viele Variablen, dass es leicht fällt für jedes Ergebnis die passenden Zahlen zu finden. Entsprechend habe ich mal einige der Variablen genauer angeschaut und stelle meine Berechnung ebenfalls online. Dann kann jeder in Ruhe nachforschen ob es sich lohnt zu diskutieren. Und wenn ihr was findet, dann passe ich das entsprechend an.  

Auf den Strommix kommt es (nicht) an

Grundsätzlich gilt, ein (echtes) Elektroauto hat keinen Verbrennungsmotor, daher findet auch keine Verbrennung statt und daher wird auch kein direktes CO2 ausgestossen. Ein Wagen mit Verbrennungsmotor verwandelt Erdöl (Diesel oder Benzin) oder Erdgas durch Verbrennung in Bewegungsenergie um. Dabei entsteht CO2 direkt am Auto. Das Argument, dass Stromerzeugung ja auch CO2 erzeugt ist korrekt. Je nach Energieträger wird in der Tat CO2 ausgestossen. In den verglichenen Stromtarifen waren das:

  • 44.4 g/KWh bei nachhaltigem Strom
  • 449,9 g/KWh bei Strommix 2014 in Deutschland

Der Unterschied erklärt sich daraus, dass im Jahre 2014 nur etwa 26.2% der Brutto-Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen stammte. In 2015 hat sich der Anteil der erneuerbaren Quellen weiter erhöht, aber ich konnte keine Details finden, daher habe ich die 2014 Werte zugrunde gelegt. 

Note: Auch wenn es für mein Elektroauto vs. Diesel nicht die entscheidende Größe ist, mit einem Umstieg auf alternative Energien, spare ich 90% des CO2. Und das ganze kostet gerade mal 2ct / kWh.

Wenn ich also meinen Tesla mit Strom aus einer – theoretisch – durchschnittlichen Steckdose aufladen würde, hätte ich jedesmal auch einen Anteil von 43,2% Kohlstrom und 15,8% Strom aus Kernenergie. Da wir das persönlich bereits seit Jahren nicht mehr wollen, sind wir zu Naturstrom gewechselt, welche uns 100% regenerativen Strom garantieren. Selbst bei “normalem” Strom aus der Steckdose, liege ich noch ich noch 56% besser. Aber bei regenerativem Strom (also meiner Realität) liege ich sogar fast 96% besser.

Wie kommt Dein Strom denn in die Steckdose

Ein Argument mit dem ich gar nicht gerechnet habe, war dass ich ja gar nicht garantieren kann, dass “100% der Elektronen die da aus Deiner Steckdose kommen auch aus regenerativen Quellen kommen.” Nun, dies ist korrekt, welche Elektronen den Spannungsunterschied in meiner Steckdose erzeugen kann ich in der Tat nicht nachweisen, muss ich aber auch nicht. Strom ist es ziemlich egal wie er erstellt wird, er hat kein Gedächnis und wird auch nicht besser oder schlechter je nach Herstellungsverfahren. Ich kann allerdings garantieren, dass der Strom den ich dem Netz entnehmen durch einen gleich hohen Anteil von regenerativem Strom ersetzt wird. D.h. – um in dem naiven Bild zu bleiben – wenn ich ein paar Elektronen aus dem Netz nehme (z.B. zum Betanken meines Tesla) füllt das mein Stromanbieter sofort mit wieder mit regenerativem Strom auf.

Das kann man am leichtesten verstehen wenn man sich Geld anschaut. Den Scheinen ist es ziemlich egal ob von sie einer Nonne oder von einem Drogenboss genutzt werden. Wir können nie sagen wo unser Bargeld gerade herkommt, wenn wir am Geldautomat sind. Wir können jedoch sehr genau sagen wo unser Einkommen herkommt. Genauso ist es auch beim Tanken eines Elektroautos. Die “Elektronen” sind wie die Scheine des Geldes nur ein Übertragunswerkzeug, entscheidend ist wie sie in den Kreislauf gekommen sind.

Meine Berechnung ist offen und hier liegt die tatsächliche Tabelle. Grundsätzlich muss man einige Annahmen treffen um Dinge zu vergleichen. Ich habe meine Tesla Model S gegen den aktuellen BMW 535d verglichen. Vor meinem Tesla war der letzte vergleichbare Wagen ein 5er BMW. Für den Preis meines Tesla könnte ich mir sicher den 535d leisten, zudem die Leistung des 535d immer noch hinter meinem Tesla liegt. Ich habe bewusst keinen Benziner genommen, da die CO2 Bilanz sonst noch schlechter ausgesehen hätte. Als Verbrauchsdaten, habe ich den tatsächlichen Verbrauch beider Wagen angenommen. Dazu habe ich entsprechende Quellen in der Berechnung für Euch zum Nachlesen angegeben. Die Frage was bei der Herstellung eines Elektroautos gegenüber eines Wagens mit Verbrennungsmotor passiert habe ich in diesem Post nicht angesprochen, da bin ich aber dran. Insbesondere die Nachhaltigkeit einer Battierie muss ich nachschauen. Derzeit sehe ich mich als Eisbrecher einer neuen Technologie, die sicher noch viel Potential hat.

Zusammenfassung

Im Realbetrieb schneidet ein Elektroauto fundamental besser ab. Sicher kann man das theoretisch schlecht-rechnen, aber wer einen Tesla kauft, wird sich auch Ökostrom bestellen, zumal der gar nicht so teuer ist. Auch wird immer gerne vergessen, dass bei der Herstellung (zumindest bei Tesla) ebenfalls regenerativer Strom zum Einsatz kommt. Ein eigentlich guter Artikel in der Zeit von 2014, vergisst beide Punkte. Er ist jedoch weiterhin lesenswert, weil der auch auf die Tatsache eingeht, dass 72% der Belastung der Menschen vom direkten Straßenverkehr vor der Tür ausgeht, und da liegt Elektro immer besser.  

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